Mutterkraut – bei Migräne und Schmerzen

Das Mutterkraut – Chrysanthemum parthenium – gehört zu den Korbblütengewächsen und ist eine weniger bekannte Heilpflanze, die auch Anwendung in der Frauenheilkunde findet. Seit vielen Jahrhunderten ist das Mutterkraut als reinigende Heilpflanze für die Gebärmutter in Gebrauch. Angelsächsische Hebammen verabreichten das Kraut, um Wehen anzuregen und die Nachgeburt auszutreiben. Aber das bitter-aromatische Mutterkraut findet auch heute bei Fehlgeburtsneigung oder bei Menstruationskrämpfen in Teemischungen seine Anwendung.

Die Blüten ähneln der nah verwandten Kamille, die ebenfalls oft Mutterkraut genannt wird. Jedoch unterscheiden sich die beiden Pflanzen sehr, denn das Mutterkraut ist viel bitterer als die Kamille und hat auch einen stärkeren Geruch. Doch gerade an dieser Bitterkeit erkennt man das Tonikum, und der starke Geruch zeichnet unter anderem die antimikrobielle Heilpflanze aus.

Die bekannten Wirkstoffe im blühenden Mutterkraut sind vor allem ätherische Öle mit Campher, Trans-Chysanthenylacetat, Sesquiterpenlactone (bis zu 1 % Partenolid), Flavonoide (Apigenin, Luteolin) und Flavone (Kämfpererol, Quercetin).

Im Zusammenspiel aller Inhaltsstoffe hat das Mutterkraut folgende Heileigenschaften: schmerzlindernd, krampflösend, fiebersenkend, blutungsfördernd, magenstärkend, antimikrobiell, entzündungswidrig.

In der englischen Volkmedizin ist das Mutterkraut eine angesehene Frauenheilpflanze. Sein Volksname „feverfew“ geht zurück auf seine fiebersenkende Wirkung, insbesondere beim Wochenbettfieber. Auf seine schmerzlindernde Wirkung als Migränemittel stieß man, weil die Frau eines walisischen Arztes durch die zehnmonatige Einnahme von Mutterkrautblättern von ihrer seit fünfzig Jahren bestehende Migräne befreit wurde. Das veranlasste die Durchführung von wissenschaftlichen Untersuchungen.

Wissenschaftliche Studien bestätigten, dass Mutterkraut Patientinnen mit Migräne tatsächlich helfen kann. In einer klinischen Studie aus England (1983) kauten 300 Migränepatientinnen täglich frische Mutterkrautblätter mit Honig. 70 % der Teilnehmerinnen gaben an, dass sie deutlich seltener und weniger schwere Migräneattacken hatten. Allerdings setzten bei 80 % der Teilnehmerinnen nach Absetzen der Einnahme innerhalb einiger Wochen die Attacken wieder ein (postfeverfew syndrom).

Die genauen Wirkmechanismen sind nicht völlig geklärt. Insbesondere für die Migräneprophylaxe und schmerzstillende Eigenschaft des Mutterkrauts scheint die Fähigkeit, die Freisetzung von Serotonin, Prostaglandin und Histamin zu hemmen, eine entscheidende Rolle zu spielen.

Es wird vermutet, dass der Wirkstoff Parthenolid die Serotoninfreigabe hemmt. In Untersuchungen konnte gezeigt werden, dass das Mutterkraut die Blutgerinnung (auch ein wichtiger Faktor bei der Fehlgeburtsprophylaxe), Prostaglandinsynthese und die Histaminfreisetzung (wichtig auch für die Allergiebehandlung) hemmt. Das gesenkte Schmerzempfinden bei Migräne als auch Menstruationskrämpfen kann durch die gehemmte Bildung des Prostaglandins erklärt werden. Die Hemmung des Histamins spielt dahin gehend eine Rolle, dass inzwischen gezeigt werden konnte, dass viele Migränepatienten häufig unter einer Histaminintoleranz leiden, und dass das Histamin heftige Attacken auslösen kann, z.B. bei dem Genuss von Rotwein und Schokolade (i. e. Die Produkte haben einen hohen Histamingehalt).

Mutterkraut darf nicht ohne Rücksprache mit Hebamme oder Heilpraktikerin in der Schwangerschaft oder Stillzeit eingesetzt werden! In größeren Mengen oder bei magenempfindlichen Personen kann es zu Verdauungsstörungen kommen. Wie bei vielen Korbblütlern sind Allergien möglich.

Wenn Sie Fragen haben, rufen Sie mich an oder tragen Sie sich hier für einen Besuch in meiner Praxis ein.


Elisabeth Stahl-Biskup „Mutterkraut – Potenzial zur Migräneprophylaxe“, 2007.
Magret Madjesky „Lexikon der Frauenkräuter“, 2015 (5), AT Verlag.

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Ihre Iris Lemke